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Informationen zur laufenden Sanierung der Münchner Residenz

 

Bild: Fassade des Königsbaus am Max-Joseph-Platz

Mit der Wiedereröffnung des Königsbaus Ende Juni 2018 wurde ein weiterer Abschnitt der laufenden Sanierung der Münchner Residenz fertiggestellt. Neben einer gründlichen Überarbeitung der Grünsandstein-Fassade, die durch den Verfall von Betonergänzungen der Nachkriegszeit erforderlich geworden ist, wurden in dem Bereich auch Fenster und Dächer instandgesetzt. Im Inneren des Traktes ist der Umbau von ehemaligen Werkstatträumen zu modernen Ausstellungsflächen abgeschlossen; hier werden nun auf vier Ebenen Porzellane, Exponate zur höfischen Tischkultur und die Miniaturensammlung der Residenz präsentiert. Auch die umfassende Erneuerung der Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallation stand auf dem Programm.

2010 wurde damit begonnen, an der 30 Meter hohen Südfassade zum Max-Joseph-Platz die im Westen entwickelte Steinsanierung fortzuführen. Von den niedrigeren Seitenflügeln ausgehend wurde in Richtung auf den Mittelbau gearbeitet; dabei waren – speziell im Bereich der Gesimse – auch gewaltige Blöcke von mehr als einer Tonne Gewicht zu versetzen. Diese Arbeiten sind, zusammen mit der Fenster- und Dachsanierung, im Jahr 2013 zum Abschluss gekommen. Im Inneren des östlichen Königsbaus werden die technischen Notwendigkeiten wie im Westen schrittweise umgesetzt. Zeitgemäße Anforderungen an die Gebäudesicherheit von der Schatzkammer über die verbleibenden Werkstätten des Restaurierungszentrums der Schlösserverwaltung bis zur Bayerischen Akademie der Schönen Künste werden durch unauffällige Zubauten erfüllt. Die Restaurierung der klassizistischen Putzfassaden im Königsbauhof kam nach Fallen der letzten Gerüste 2016 zum Abschluss.

 

Bild: Nibelungensäle, Saal des Verrats

Mitte 2013 konnte nach intensiven Vorarbeiten die Restaurierung der "Nibelungensäle" im westlichen Erdgeschoss des Königsbaus in Angriff genommen werden. Sie sind die letzte Raumflucht des Schlosses, in der der einst reiche Bestand an monumentaler Wandmalerei des 19. Jahrhunderts nach schweren Kriegsverlusten noch erlebbar ist. Nach detaillierter Erfassung der Schäden ist die eigentliche Restaurierung der Raumdekoration und der einzigartigen Malerei Julius Schnorr von Carolsfelds (1794-1872) inzwischen abgeschlossen. Zur Stabilisierung des Raumklimas wurden die nach Süden ausgerichteten Fenster der Nibelungensäle mit Lichtschutz-Screens versehen; die damit verbundene leichte Verdunkelung der Räume wird durch ein modernes Beleuchtungskonzept ausgeglichen, das nun endlich auch die Gemälde der Fensterseite angemessen zur Geltung bringt.


Neupräsentation der Sammlungen:
Kostbarkeiten aus vier Jahrhunderten

Bild: Blick in die Porzellansammlung
Bild: Terrine, Detail
Bild: Landschaftscapriccio von Francesco Guardi, nach 1780
Bild: Porzellansammlung, Raum 14
Bild: Sogenanntes "Bamberger Tafelsilber", Augsburg, um 1770
Bild: Miniaturbildnis einer Dame auf einem Kanapee, Jean Baptiste Jacques Augustin, 1791

Hinter den nach Süden und zum Max-Joseph-Platz hin orientierten Prunk- und Schauräumen erstrecken sich auf der Nordseite des Königsbaus auf vier aufeinanderfolgenden Ebenen die sogenannten „rückwärtigen Räume“, einstige Funktions- und Dienerschaftszimmer, von denen aus im 19. Jahrhundert das royale Leben und prunkvolle Repräsentieren des zur Stadt hin gerichteten „offiziellen“ Königsbaus organisiert wurde. Erstmals stehen sie nun, eingerichtet als neue Sammlungsräume des Residenzmuseums, den Besuchern offen und lassen vier Jahrhunderte bayerischer Geschichte im Spiegel kostbarer Kunstgegenstände lebendig werden, zusätzlich unterstützt durch Medienstationen und die gezielte Inszenierung einzelner Ausstellungsobjekte.

Das Sammeln von Kostbarkeiten war über Jahrhunderte eine mit Passion betriebene Tätigkeit der bayerischen Herrscher: Liebe zur Kunst und dynastisches Prestigedenken gingen dabei eine charakteristische Verbindung ein. Die von den bayerischen Herzögen, Kurfürsten und Königen zusammengetragenen Raritäten und kunstvollen Gebrauchsgegenstände bilden die Grundlage für die heutigen, international bedeutenden Sammlungen des Münchner Residenzmuseums:
Die Schausammlung Wittelsbacher Porzellan umfasst wunderbare Zeugnisse des kunsthandwerklichen Könnens aus den europäischen Porzellanmanufakturen des 18. und 19. Jahrhunderts: Mit Nymphenburg und Frankenthal verfügten die Wittelsbacher über gleich zwei solcher dynastischer „Hausmanufakturen“, deren Spitzenwerke in den neuen Ausstellungsbereichen nun neu und angemessen zur Geltung kommen. Daneben werden kostbare Stücke aus der Frühzeit der Meißner Manufaktur, aus dem französischen Sèvres nahe Paris oder aus der Berliner Königlichen Porzellanmanufaktur präsentiert. Im 19. Jahrhundert war es dann wieder König Ludwig I., von dem wichtige Impulse ausgingen: In seinem Auftrag fertigte die Nymphenburger Manufaktur künstlerisch wie technisch beeindruckende Kopien nach Stücken aus den königlichen Sammlungen an, die bis heute zu den Meisterwerken der europäischen Porzellanmalerei zählen!

Mit rund 4000 noch heute vorhandenen Stücken zählt die Silberkammer in der Residenz München zu den umfangreichsten noch erhaltenen fürstlichen Silbersammlungen Europas. Die zum überwiegenden Teil aus Speise- und Gebrauchssilber bestehende Sammlung legt eindrucksvolles Zeugnis der aristokratischen Tischkultur der Frühen Neuzeit ab. Zugleich dokumentiert die heutige Zusammensetzung des Bestands aber auch vergangene Kriegs- und Krisenzeiten, in denen man die Silberschätze einschmolz, um die Staatskasse neu zu füllen. Von Statusdenken, dem Willen zur Pracht, aber auch vom Wechsel der modischen Stile und viel Kunstverstand zeugen wiederum die prächtig eingedeckten Silber- und Porzellantafeln, die den Besucher des Königsbaus in neu eingerichteten Räumen hinter dem Appartement Ludwigs I. erwarten. Zugleich dokumentieren diese Festtafeln die ausgefeilte Symbolik, die das komplexe fürstliche Speisezeremoniell auszeichnete und dem materiellen und künstlerischen Aufwand, der im Bereich der höfischen Tafelkultur betrieben wurde, zugrunde liegt.

Die Miniaturensammlung der Residenz zählt zu den international anspruchsvollsten Kollektionen dieser Art. Sie umfasst ein breites Spektrum an Miniaturen aus der Zeit des 16. bis 19. Jahrhunderts. Miniaturen waren sowohl als Liebhaberstücke – eine Gemäldesammlung „en miniature“ – hochbegehrt, wie auch als „intime Kunstwerke“, die im handlichen Porträt das Andenken an geliebte Mitmenschen verewigten. Die verschiedenen Funktionen der kleinen Kostbarkeiten und die unterschiedlichen Kontexte, aus denen heraus sie entstanden, können nun beim genussvollen Detailstudium in der neuen Ausstellung nachvollzogen werden.


Ein anderes großes Bauprojekt im Königsbau wird erst 2019 wieder zu begehen sein: Die "Gelbe Treppe" – der einstige zeremonielle Zugang zum Appartement des Königs. Der Niveauunterschied zwischen dem "Schwarzen Saal" und den sogenannten Schlachtensälen war zwar schon 1973 in der Art eines ansteigenden Tunnels überbrückt worden, der einstige Glanz der Treppenlösung Klenzes – eine Abfolge aus Halbkuppel, kreuzgewölbtem Saal und Prunkportal – war aber dahin. Die im Dachraum erhaltenen Reste der Stuckdekoration können nun als Vorbild dienen, um den Gesamteindruck des Raumkunstwerks wieder erlebbar zu machen.

 

 

Bild: Die rekonstruierte Gelbe Treppe (Computeranimation); Bild aus dem Filmbeitrag des Bayerischen Fernsehens

Aufstieg in der Residenz.
Die Gelbe Treppe wird rekonstruiert

Filmbericht des Bayerischen Fernsehens vom 12.11.2017 zur Restaurierung der Gelben Treppe


Verschiedene Defizite baulicher und technischer Art zwingen zu einer Neuorientierung des technischen Sanierungsprojektes in Richtung Kaiserhof. Speziell die Haustechnik der "Pfälzer Residenzweinstube" ist modernen Ansprüchen nicht mehr gewachsen, weshalb sich das Traditionslokal zeitweilig an seinen Gründungsort – den "Einsäulensaal" am Kapellentor – zurückziehen wird. Ein eigenes Technikgeschoss unter dem nördlichen Vorfeld der Residenz und ein System unterirdischer Leitungskanäle ermöglicht die nötigen Installationen ohne die kostbare Bausubstanz zu sehr zu belasten. Im Zuge der Tiefbaumaßnahmen wurden auch bedeutende Relikte aus der frühen Stadtbaugeschichte Münchens freigelegt – etwa ein größerer Abschnitt von Fundamenten der mittelalterlichen Stadtbefestigung – die vor ihrem unvermeidlichen Verschwinden angemessen dokumentiert worden sind.

Die Trakte im Westen und Norden des Kaiserhofs sowie der zentral gelegene Turmbau werden auch eine behindertengerechte Erschließung bekommen.

 

Bild: Bronzesäle, Raum 2

Die im Hofgartentrakt frei gewordenen Räume des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, die "Bronzesäle", wurden bereits für Zwecke der Schlösserverwaltung adaptiert. Hier sind die Originale der gut 400 Jahre alten Bronzen aus unmittelbarer Nähe zu bewundern, die seither in Kopie die Gärten, Höfe und Fassaden schmücken. Auch der Ertüchtigung der Raumflucht um eine angemessene Klimatechnik sowie dem sicheren Betrieb der darüber liegenden Festsäle dienen die beschriebenen Sanierungsmaßnahmen.

Erst nach Abschluss dieser Kampagne, die bis 2020 terminiert ist, kann die Generalsanierung der Residenz in den Bereichen Eingangssituation des Residenzmuseums, Apothekenhof und zentrale Museumsbereiche weitergeführt werden.

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